Mi nombre es Chhhhakob!

Wir schreiben den 27. August 2014 – zwei junge Typen, keine fünfundzwanzig, laufen, nur mit einem Lendenschurz bekleidet (oder sind sie splitternackt?), durch die stürmische IMG_0011Brandung irgendeines monsungepeitschten Karibikstrandes. Am Horizont türmen sich die Gewitterwolken. Zwei junge Frauen schlendern kopfschüttelnd den Strand entlang. Ab und zu ein entsetzter Aufschrei oder ein hysterisches Kreischen. Wilde Krebse. Dann wieder Stille – nur durchbrochen durch den pfeifenden Wind und die sich über den Surfern brechenden Wellen.

Es klingt wie der Anfang eines schlechten Horrorfilmes, vielleicht ist es das auch, wir wissen Foto 27.08.14 08 20 18es nicht. Aber was wir wissen ist, dass wir uns am äußersten Zipfel Panamas zwischen einem Rudel bärtiger, braungebrannter und langhaariger Surfer befinden, die billardspielend und kiffend den lieben langen Tag vergeuden! Wir haben uns am Playa Venao in die Strandhütten des Hostels Selina einquartiert und versuchen nun zwei Tage im Paradies des Nichtstuns zu überleben! Bis auf gelegentliche Tobsuchtsanfälle Jakobs, Stressattacken Felis oder Langweiligkeitsausbrüchen lässt es sich aber eigentlich ganz gut leben und wir können freudig mitteilen, dass wir es geschafft haben, ohne total durchzudrehen! Wie es hierzu kam…

Foto 27.08.14 08 20 04Nach einem circa dreizehnstündigen Flug mit einem kurzen Aufenthalt in Amsterdam kommen wir schließlich um siebzehn Uhr Ortszeit in Panama Stadt an. Nach etlichen ausgefüllten Papieren und der Suche nach unserem Gepäck, verlassen wir den Flughafen und steigen nach kurzem Verhandeln in ein Taxi. In Deutschland ist mittlererweile schon ein Uhr nachts! Der korpulente Taxifahrer schaltet immerzu hysterisch von einem Radiosender zum Nächsten, während wir die Hochhäuser Panama Citys bestaunen. Am Hostel angekommen, stellt sich heraus, dass unser TaxifahrerIMG_0047 keinen blassen Schimmer besitzt, wo denn eigentlich das Hostel sei. Nach einer halbstündigen Irrfahrt, zehn gefragten Einheimischen und einer Menge Spaß erreichen wir dann doch das Hostel „Spanish in the city“. Wir werden von unserem Gastgeber, dem Veganer Jamal, freundlichst begrüßt.

Am nächsten Morgen machen wir uns früh auf den Weg in Richtung Halbinsel Azuero, wo es tolle Strände geben soll! Mit einem der Überlandbusse fahren wir also bis Las Tablas, kurz hinter Chitré. Die Vorhersage Jamals, über die Eiseskälte der Foto 27.08.14 08 55 08Klimaanlage im Bus, sollte sich glücklicherweise nur anfangs bestätigen. Später schlug die Kälte dann in eine unangenehme Wärme um. Aber das war nicht weiter schlimm, weil wir schon bald ankommen sollten. In Las Tablas nahmen wir dann den Kleinbus bis nach Pedasi. Zusammengequetscht zwischen breit grinsenden Panamenierinnen (ja, Panamenier ist der richtige Ausdruck) und alten mürrisch dreinblickenden Männern setzen wir uns also langsam in Bewegung! Auf die Frage ¿Cuál es Foto 27.08.14 12 36 20su objetivo? (Wo geht’s hin?), antwortet Jakob standardmäßig mit seinen neu gelernten Worten Mi nombre es Chhhhakob! Mit Chhhhhh! Ein Glück, dass wir bei solchen Fehltritten die gute alte Feli an Board haben, die es versteht sich auf spanisch zu verständigen. Aber auch Sarahs Spanisch soll nicht von schlechten Eltern sein. Ich rede einfach italienisch mit den Leuten, das reicht in 70% der Fälle auch! Wie die Ölsardinen triefend erreichen wir dann doch noch lebend Pedasi. Der letzte Schritt unserer Reise soll auch der spannendste werden! Wir trampen. IMG_0042Viele grinsende und lachende Panamenier später hält endlich einer an! Seinen Namen nennt er nicht, doch er kommt aus Kanada! Und auch fernab davon erzählt er uns viel aus seinem Leben! Mit seiner Frau ist er nach Panama gezogen und hat sich ein herrschaftliches Anwesen geschaffen! Und weil wir uns so gut mit ihm verstehen, zeigt er uns kurzerhand sein Anwesen und bringt uns noch die restlichen acht Kilometer bis zum Strand! Netter Kerl!

Nun sind wir also seit gestern an diesem gottverlassenen Strand und schlagen unsere Nerven und  Zeit tot! Ich musste eben mit Erschrecken IMG_0025feststellen, dass ich sogar schwitze, wenn ich mich zu sehr im Wasser anstrenge. Und begeistert haben wir festgestellt, dass wir nach der Regel „Kein Bier vor Vier“ in Panama bereits ab elf Uhr morgens das erste Bier trinken dürfen. Ist das nicht wunderbar? Morgen geht es auch schon weiter nach David und in die Bergregion bei Boquette, wo wir uns Kaffeeplantagen anschauen und Roller fahren wollen. Bis dahin versucht cool zu sein, dann könnt ihr vielleicht auch irgendwann einmal Urlaub zwischen all den superhippen und total entspannten Surfern machen! Bis die Tage! Ach, und zu guter letzt muss natürlich noch gesagt werden, dass die Menschen in Panama unglaublich nett und hilfsbereit sind! Einer Studie nach gehören sie sogar zu den glücklichsten Menschen der Welt! Und so haben wohl auch wir für eine kurze Zeit an diesem Glück teil! 🙂

 

Politisch inkorrekte Sätze, die in Panama unangebracht sind:

  1. Die sehen hier alle aus wie mexikanische Drogenbarone.
  2. Hey, ist das nicht die Frau von den Chiquita Bananen?

        panama_Raph

2 thoughts on “Mi nombre es Chhhhakob!

  1. Der Blogeintrag bestätigt, dass Rapha nur italienisch spricht, sonst hätte er wohl verstanden, dass ich dem Panamanero freundlich mitteilte, dass ich ihn nicht verstehen kann, da ich leider kein spanisch spreche 🙂

  2. Du hast ja auch ein schriftstellerisches Talent! Hört sich alles spannend, interessant und auch relaxt an, was Du da schreibst.
    Wünsche Euch, dass es nach Eurer Zwischenstation am Strand so weitergeht.

    Bis Bald
    Roland

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