Um Himmels Willen

Costa Rica – Land der tausend Farben, tausend Tiere und tausend Traumstrände. Aber leider vor Allem auch Land der tausend Touristen. Oder IMG_0446nennen wir es doch einfach “das am Äquator gelegene Deutschland mit Dschungelfeeling und Traumstranderholung”. Deutsche soweit das Auge reicht, abundzu ein Restaurant oder ein Hotel, diesen traurigen Eindruck bekommen wir zumindest in Quepos geboten. Das was in Panama noch in den Kinderschuhen steckt hat hier bereits Wurzeln geschlagen. Der Tourismus mit all seinen Ausuferungen. Und ich meine nicht jene Touristen, die, wie wir, rucksacktragend wie die Einheimischen, durch das Land ziehen. Ja, wir wissen, dass wir auch keine Engel sind! Ich werde nach unserer Rückkehr Geld spenden, um IMG_0421meinem schlechten Gewissen bezüglich des ökologischen Fußabdrucks Seelenfrieden zu verschaffen. Zum Glück gibt es den modernen Ablassbrief in Form von Wiederaufforstungsprojekten etc.. Also zurück zu den verteufelten Pauschaltouristen. Um den Prozess zu verstehen, muss man allerdings an seine Anfänge gehen.

(Anmerkung zum Folgenden Abschnitt – frei rezipiert nach Wikipedia:
Snowbirds (Schneevögel) sind Menschen aus Nordamerika, die im Winter in wärmere Regionen flüchten, und dort die einheimische Wirtschaft zerstören.)

 

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer.
Und Gott sah, dass es gut war.
Sobald Licht ward kamen die ersten Snowbirds und sie kauften günstig Land.
Gott schaute skeptisch auf sie herab.
Und Gott schuf den Dollar und den Kapitalismus. Und es geschah also.
Durch den Dollar verführt, investierten die Snowbirds, und investierten und mehr Snowbirds kamen geflogen.
Und Gott ließ sie investieren und machte einen Tag Pause.
Mehr Snowbirds kamen, kauften teures Land, bauten Hotelanlagen und verkauften noch teurer.
Und Gott sah gar nichts, denn er schlief.
Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag.
Die Snowbirds flogen und mit ihnen die Einheimischen.
Und die Touristen kamen. Und mit ihnen das Fastfood, die Hotpants und die Drogen.
Gott erwachte.
Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte; und siehe da, es war scheiße.

 

Dass sich die Snowbirds gerade Costa Rica aussuchen, um ihr Winterquartier aufzuschlagen ist kein Wunder. Beim Anblick der kilometerlangen, palmenüberzogenen, weißen Traumstränden kitzelt es jeden von uns in den Zehen nicht gleich den Sitzplatz vom Bus zu verlassen, um in das IMG_0429wunderbar kühle Nass zu springen. Der Nationalpark Manuel Antonio wirkt im Vergleich zum Sendiero de los Quetzales wie ein Streichelzoo mit Tier und Erlebnisgarantie. Für ausgewiefte Wanderer wie uns leider kein großes Abenteuer. Auch wenn es stimmt, dass man viele zahme Tiere sehen kann, ist es doch schockierend, dass dem wilden, sich durch die Taschen diverser Touris buddelnden, Rudel Waschbären ein noch viel wilderes Rudel von Kameras folgt – begleitet von einem Kreischkonzert der besonderen Art. Wir flüchten IMG_0415uns in die etwas abgelegeneren Gebiete des Parks und sehen Leguane, Faultiere und wunderbare Küstenabschnitte. Zurück im Hostel stürmen wir den zuvor so verfluchten Pool – die scheinbar einzige Möglichkeit bei diesen Temperaturen nicht zu schwitzen. Nach drei Tagen in Quepos haben wir die Nase gestrichen voll von der Touristenhochburg und ihren teuren Preisen. Sichtlich frustriert fragen wir uns, wo das hochgepriesene Costa Rica mit all seinen Köstlichkeiten und seinen Einheimischen wohl geblieben sein könnte. Aus Legenden erfahren wir, dass Nicaragua das neue Costa Rica sein solle. Also machen wir uns auf den Weg nach Nicaragua auf der Suche nach mehr Gastfreundlichkeit, weniger tückischen Taxifahrern und Fastfood. Auf dem Weg Costa-Rica-Landkartezur Grenze schlafen wir eine Nacht in Puntarenas, einer Kleinstadt an der Pazifikküste und müssen feststellen, dass unsere Vorurteile Costa Rica nicht ganz gewachsen sind. Keine Spur von Touristen. Keine Spur von teuren Preisen. Aber unsere Entscheidung steht fest und Nicaragua ruft. Wir nehmen uns jedoch fest vor Costa Rica auf dem Rückweg noch eine zweite Chance zu geben und nach dem Ursprünglichen zu suchen! Also auf nach Nicaragua auf die Suche nach dem Glück! Auf ein freudigeres Wiedersehen Costa Rica! Ach, und Ricky, falls du diesen Blog lesen solltest – wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben und der nächste Blogeintrag zu Costa Rica wird ganz bestimmt ein überaus fröhlicher! Liebe Grüße!

Danke an Carlos für das Zusammentragen der Informationen!

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