Oberstdorf – Kemptner Hütte

oder Felicitas und der Zaunpfahlkönig…

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Dieses Jahr wandern Felicitas und ich auf dem E5, die klassische Alpenüberquerung, von Oberstdorf nach Meran in sieben Tagen – was so alles auf der Wanderung geschieht, erfahrt ihr auf diesem Blog. Nun, wo alle ihre 0815 Urlaube an exotischen Orten wie Thailand verbringen, fühlen wir uns umso wohler, je näher wir an Deutschland bleiben. Kein schlechtes Gewissen wegen des übermäßigen Kerosinausstoßes des Überseefliegers, keine schwüle Tropenluft und kein Malaria. Stattdessen grüne Berge, saubere Bergluft und Abende an denen man fix und fertig und glücklich ins Bett fallen kann.

Was bisher geschah…
Gestern haben Felicitas und ich den IC von Köln nach Oberstdorf genommen. Um 10:45 Uhr stehen
wiralso bepackt mit unsere 30 Liter Rucksäcken, SONY DSCWanderstöcken, Wanderschuhen und einer ganzen Menge Proviant an Gleis 7 in Köln und müssen mit erschrecken feststellen, dass unser Zug bereits 40 Minuten Verspätung hat. Klasse. Nun kommt der Zug endlich auf das Gleis gefahren und wir steigen ein, ein in ein Abenteuer voll Alpiner Höhepunkte, Kuhglocken und schwitziger Kleidung. Bis dahin sollten wir aber noch ziemlich lange Bahn fahren – und da wir sowieso schon Verspätung hatten, kamen dann auch nochmal 60 Minuten drauf, was das Dilemma perfekt machte. Am Ende jedoch, wir glaubten unseren Augen kaum, erreichten wir Obserstdorf. Wow.

Etappe 1: von Oberstdorf bis zur Kemptner Hütte
Es ist halb 8 abends und ich schaue zur Decke, über mir hängen warlos verteilte Kleidungsstücke und der Raum ist voller Menschen, die ihre Taschen packen, sich SONY DSCumziehen und ein wenig müffeln. Wir befinden uns in einem Matratzenlager der Kemptner Hütte haben soeben Kartoffelpüree mit Sauerkraut und Würstchen zu Abend gegessen und blicken zurück auf einen ereignisreichen Tag in den Hochalpen.
Gestartet sind wir im Gasthaus Gruber, das direkt auf dem E5 zwischen Oberstdorf und Spielmannsau liegt. Den Weg pflastern Werbetafeln der Allgäuer Biermarke “Büble-Bier” und ich fühle mich gleich wie zu Hause in Köln, wo wir regelmäßig eben dieses Bier als Exponat zu einem fairen Preis am Kiosk unserer Wahl erwerben. In einem Café am Christlesee nehmen wir unseren ersten

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Kaffe des Tages umringt von allen erdenklichen Tieren ein. Im Hintergrund beschallen uns die für diese Region so bekannten traditionellen Lieder, während Katze, Hund, Esel und Ziege ihre Köpfe nach uns recken, um auch etwas von dem guten Wurstbrot abzubekommen. Wurst bekommen sie zwar letzten Endes nicht, aber dafür eine Menge Streicheleinheiten. Wir haben sowieso das Gefühl, dass im Allgäu alle Tiere nur auf Streicheleien aus sind. “Sogar die Wespen wollen hier gestreichelt werden”, stellt Feli scherzend fest. Doch schon bald erahnen wir die Schattenseite des Idylls, eine Ziege, die sich schamlos an am Stall kratzt und der Hund der uns die Wurst klaut.

An der Spielmannsau angelangt rätseln wir über ihren Namen.

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A) Spielmanns(s)au – Ende des 18. Jahrhundert stieg der Spielmann Georg regelmäßig ins Tal herab, um in der örtlichen Schenke das eine oder andere Mass zu sich zu nehmen. Seine Geschichten zeugten häufig von kühnen Gebirgswanderungen und reißenden Flüssen, aus denen er das eine oder andere Leben rettete. Doch am liebsten lauschte man den Geschichten über seine Frau, die er dann nur “die Sau” nannte und so zum Gespött des ganzen Dorfes machte.
B) was vielversprechender klingt: Spielmannsau bezeichnet einen lauschigen Ort, vielleicht einen Hügel, an dem der damalige Dorfspielmann lebte, der die Herzen der Dorfbewohner mit seinen lustigen Melodien höher schlagen ließ.

Nun wie auch immer, wir machten uns schon bald weiter auf den Weg, durch das Trettachtal immer weiter den Berg hinauf. Links und rechts ragen gigantische Bergzüge hinauf, zwischen denen wir

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ameisengleich den Pfad heraufstapfen. Nach einigen Stunden erreichen wir müde und geschafft die Kemptner Hütte. Der Schuhe entledigt betreten wir die Hütte und lassen uns in unser Matratzenlager führen. Nach einem kalten Sprung in einen Bergsee und einer noch kälteren Dusche, liege ich nun auf der Matratze und mir fallen schon fast die Augen zu. Guts Nächtle.
PS: an dieser Stelle sollte eigentlich Felis Kolumne “Körper und Geist” stehen, doch die schläft schon längst und wird dies sicher sehr bald nachholen.

 

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