Ich verstehe nur dworzec

Kapitel I – Lost in Wroclaw

imageDobrze rozmnaża się z nasion. Wymaga miejsc osłoniętych, wrażliwy jest na silne nasłonecznienie. Zimą szkodzi mu duża wilgotność. Najlepiej rośnie na glebie przepuszczalnej, gliniasto-piaszczystej i wilgotnej w okresie wegetacyjnym. Najlepiej prezentuje się rosnąc między kamieniami i w szczelinach skalnych.
Diese kurze Textsequenz soll helfen, euch ein besseres Bild meiner bisherigen Situation zu vermitteln. Der Grill qualmt, alle um mich herum reden wild durcheinander und ich verstehe nur dworzec, was so viel wie Bahnhof bedeutet. Dennis der Pole und ich befinden uns knapp 1000 Kilometer entfernt von zu Hause in einer kleinen Stadt in Westpolen (Bielawa) und werden bis zum Rand mit Essen vollgestopft. Doch wie ist es dazu gekommen? Fangen wir vorne an…
Es ist fünfuhrfünfzehn und unser Wecker reißt uns aus den zuckersüßen Träumen. Wir sind sofort hellwach (sogar Dennis) und imagemachen uns bereit für zwei Wochen Rucksack-Urlaub in Polen auf der Suche nach Dennis Wurzeln. Um halb sieben nehmen wir dann schon den ICE nach Berlin. Die Fahrt verläuft reibungslos, wir haben keine Verspätung und essen unseren Proviant. In Berlin steigen wir in einen IC Bus der deutschen Bahn und fahren in Richtung Breslau und die polnische Grenze. Ich will mich gerade darüber freuen, dass die Plätze (letzte Reihe, wie die coolen Jungs) neben uns frei bleiben und freue mich auf eine entspannte Fahrt, da nähert sich auch schon ein Tier von einem Mann und quetscht sich neben mich. Das wars dann wohl mit der entspannten Fahrt, denke ich und versuche meinen Oberarm in eine Position zu bringen, die weniger Körperwärme meines Nebenmannes absondert. Fail.
imageSchon bald sollen wir die polnische Grenze erreichen. In weiser Voraussicht lässt die Polin neben uns den Bleistift sinken, mit dem sie vorher versuchte ein Bild auf Papier zu bringen. Kurz nach der Grenze beginnt der Bus zu rattern, als sei soeben die Achse gebrochen oder mindestens eins der Räder geplatzt. Schreiend und wild gestikulierend versucht Dennis mir zu erklären, dass polnische Straßen früher nur aus aneinandergereihten Betonplatten bestanden. Heute dagegen wurden ebendiese Platten mit Teer überzogen und das Resultat nennt man dann Autobahn. So rattern und schütteln wir uns also die letzten Stunden bis Breslau und der Bus macht tocktocktocktocktock im Takt der Straße. Aber nicht imagenur die Straßen verändern sich auch der Himmel begrüßt uns mit einer dunklen, geschlossenen Wolkendecke. Insgeheim frage ich mich, wo wir denn hier gelandet sind? Andere fahren nach Malle und hinter uns schließt sich der eiserne (Gewitter)vorhang. Zeit ein wenig die Umgebung zu mustern. Links und rechts säumen anmutige Kiefern zirbulistisch unseren Weg, ab und zu eine verlassene klapprige Tankstelle. Sonst nichts.
Irgendwann traue ich mich dann doch auf die Toilette (in Anbetracht der Gefahr vor lauter klappern die Toilette nicht zu treffen). Halb so wild. Ich bin positiv überrascht, aus der ein mal zwei Quadratmeter imagegroßen Kammer strömt mir ein herrlicher Lavendelduft entgegen. Hier fühle ich mich wohl. Irgendwann muss ich dann aber doch zurück auf meinen Sitzplatz oder vielmehr Quetschplatz. Glücklicherweise lenkt mich Dennis ab, indem er mir eine kurze Einführung in die wichtigsten Sehenswürdigkeiten (Polen besitzt die größte Jesusstatue der Welt) und das Grundvokabular gibt. “Cześć”, ausgesprochen wie tchschäääeeechschhhschsch, kann sowohl Hallo als auch Tschüss bedeuten (ich kann das Wort bis heute nicht aussprechen) und “dziekuje” (dschenkuie) Danke. Was in Deutschland der Zungenbrecher ist, ist wohl hier der Gaumenbrecher. Genug davon für heute.
Schließlich rattern wir in den Breslauer Busbahnhof ein. Dennis Handy ist leer, seine Cousine nicht da und ich fühle mich als seien wir soeben in Tadschikistan angekommen. Na zdrowie. Für immer imageverloren in den postkommunistischen Weiten der östlichen Prärie. Dann die Rettung in Form einer breit grinsenden jungen Frau, Dennis’ Cousine Nika, die uns mit zu sich nach Hause nimmt und unseren von der weiten Reise strapazierten Körpern eine Rast verschafft.
Gemeinsam mit Nika und ihrem Freund verbringen wir einen Abend in Breslau und erfreuen uns an seltsam dekorierten ukrainischen Köstlichkeiten und polnischen Spezialitäten in Form von Bier und Schnaps in der Shotbar Czupito. Alkohol trinken ist hier nicht einfach gleich Alkohol zu trinken, es ist vielmehr ein ganz besonderes Erlebnis. Wir wählen unter 100 verschiedenen shots den einen, richtigen und auf unsere Bedürfnisse maßgeschneiderten aus. Dennis seiner, der Atem des Drachen, wird mit einer Stichflamme effektvoll imageflambiert, meiner heißt Hiroshima und hat die Form einer Atombombe. Ouh. Im Anschluss lassen wir noch das Breslauer Nachtleben auf uns wirken und wundern uns über die polnische Eigenheit, bei jeder roten Ampel zu warten, selbst wenn man das Verpassen des Busses dafür in Kauf nehmen muss. Scheinbar sind in Polen hohe Strafen für das überqueren einer roten Ampel auferlegt. Mit einem letzten trüben Bier verabschieden wir uns ins Bett und freuen uns auf die nächsten Tage in Bielawa zu Besuch bei Dennis Verwandten. Ach und noch etwas: nicht über das sonderbare Bild vor der Dali Skulptur wundern, wir machen nun auch immer Fotos an Stellen, wo die Polen Fotos machen!

Kapitel II – Bielawa oder da, wo die Gurken wachsen

Nachmittags erreichen wir dann die Kleinstadt Bielawa mitten im Nirgendwo, umringt von einigen Hügeln, Wiesen und Kühen. Dies imagehier ist also der Ursprung, die Wurzel allen Übels. Dennis unser Sonnenschein. Wir werden herzlich von Tante und Onkel begrüßt und sogleich zum Grillen eingeladen. Juhuuu! Auf die Frage, was wir denn da eigentlich essen, antwortet Dennis’ Onkel scherzend: Schweineblut, wir Polen müssen eben das Essen, was arme Menschen essen. Aha, daher kommt also Dennis sein leidenschaftlicher Pessimismus. Fernab davon schmeckt das Essen aber sehr lecker, oder süüpäär, wie es auf Polnisch heißt. (Zum nachkochen: Blut (erhältlich im polnischen Supermarkt deiner Wahl) mit Graupen gemischt und in Alufolie gegrillt).
Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg, die Umgebung ein imagewenig auszukundschaften. Wir streifen durch leere Straßenzüge und entlang an abgewrackten Häusern. Verwinkelte Schlösser neben Plattenbauten neben Industriebrachen. Dieses postindustriell apokalyptische Fler lässt mich ganz nostalgisch werden und weckt ein tiefes inneres Bedürfnis nach der alten guten Sowjetzeit. Schließlich finden wir das riesige brach liegende Fabrikgelände einer alten Textilfabrik, die vor rund zehn Jahren wegen der Konkurrenz aus Asien geschlossen werden musste. Einst arbeiteten hier knapp 14000 Menschen – die halbe Stadt. Heute sind die leerstehenden Hallen allenfalls Sinnbild für den Zustand einer trostlosen Stadt, die nur noch wenig von ihrer Glanzzeit für uns übrig hat und für junge Leute kaum Perspektiven aufwirft. Kein Wunder, dass hier nur Kinder und Rentner vor den wenigen Läden im Stadtzentrum herumlungern.
imageGenug des Pessimismus, Dennis färbt wohl langsam auf mich ab (nein, er hat sehr gute Laune). Am Abend sind wir bei Oma und Opa zum Essen verabredet. Dennis’ Großeltern sind mir direkt sympathisch, sie zeigen uns ihren tollen Garten mit den selbst angebauten Gurken und Tomaten und den Keller mit den vielen Einmachgläsern. Abends im Bett liegend, fühlen wir beide uns wie zwei Würstchen im Käsemantel. Randvoll mit polnischer Hausmannskost und glücklich.
Früh am nächsten Morgen haben wir uns mit Dennis’ Opa verabredet und fahren gemeinsam mit dem Auto ins “Stadtzentrum”. Wir gehen heute schießen. Am Vorabend war die etwas sonderbare Frage imagegekommen, ob wir Lust hätten mal schießen zu gehen. Abenteuerlustig wie wir sind, haben wir uns der skurrilen Idee schließlich hingegeben und jetzt befinden wir uns mit Antek, einem sechzigjährigen, vollpensionierten Schießer, und Dennis Opa in einer alten Turnhalle, um endlich schießen zu lernen (so wie es jeder anständige Pole einmal im Leben tun sollte). Mit Luftpistolen schießen wir also auf die Zielscheiben und sind dabei gar nicht mal so schlecht. Dennis’ Opa hat Antek im Gegenzug Gurken und Tomaten aus seinem Garten gegeben. So läuft das hier. Nach einer Stunde und etlichen Schüssen später, sind unsere Arme schon ganz lahm und wir müssen aufpassen uns nicht gegenseitig vor Müdigkeit zu treffen. Es ist allerhöchste Zeit aufzubrechen, und zwar zu Antek imagenach Hause und uns seine Waffensammlung anzuschauen (uns schwant Schreckliches). Kurze Zeit später erreichen wir die Plattenbausiedlung und beim betreten der Wohnung geht die Alarmanlage an. Geschlagene zwei Stunden später verlassen wir sie wieder mit rauchenden Köpfen und einer Informationsflut über Waffen vom amerikanischen Bürgerkrieg bis In die Gegenwart.
Welch skurrile Hobbies die Menschen haben können. In Polen konnte ich bisher drei ausfindig machen: Den neurotischen Pilzsammler, den leidenschaftlichen Gärtner und den akribischen Waffensammler. Passend dazu das Standardoutfit des polnischen Mannes (zumindest auf dem Dorfe): kurze Haare, Tshirt oder Pullover mit Aufschrift dazu entweder dreiviertel Karohose oder Jogginghose und ein schiefes uns Anmustern.
Gut, dass Dennis Verwandten ganze normal sind und nicht zu diesem Schlag von Menschen gehören. Skurril ist und bleibt jedoch bei aller Normalität, dass die Badezimmertüren aus Glas gefertigt sind und man sich unter der Dusche und auf dem Klo stets beobachtet fühlt.
Am letzten Abend fliehen wir spontan mit Dennis Onkel vor den imageschrill kichernden Freundinnen seiner Frau, die sich an diesem wunderbaren Dienstagabend (!) auf dem Balkon betrinken und uns ein Kompliment nach dem anderen machen. Wir retten uns also in eineBar teilen uns zwei Bier (in Polen sind das 2 x 5 Liter Kübel) und gehen am Ende betrunken ins Bett. Morgen geht es weiter nach Krakau und wir sind schon ein wenig froh aus der beklemmenden Atmosphäre dieser Kleinstadt zu entrinnen. Am Ende fühlte ich mich selber schon wie ein Pole. Zum Schluss noch ein paar Fakten:

Fun fact: Beim aussteigen schallt gesungene Werbung aus den postsowjetischen Lautsprechern der Straßenbahnen. Irre.
Useful fact: In polnischen Küchen ist der Mülleimer immer unter der Spüle.
Useless fact: Dennis ist polnischer Analalphabet.

Bis bald und tchschäääeeechschhhschsch…

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