Laos Tage 12 – 13 Wo der Hund begraben liegt.

IMAG0268Die Minibustüren öffnen sich, ein heißer Föhn schlägt uns entgegen. Auf der Hauptstraße wirbeln die gelegentlich vorbeirauschenden Lastwagen und Roller den Staub auf. Abundzu eine Distel, die die Straße überquert. Weit und breit keine Touristen. Wir befinden uns aber keinesfalls in irgendeiner Western Stadt aus dem letzten Jahrhundert, wir befinden uns in Phonsavanh, Zwischenstation auf unserem Weg nach Thakek. Sofort werden wir von diversen Mitarbeitern kurioser Reiseagenturen angeheuert, die uns natürlich alle die besten Zimmer für die Nacht besorgen wollen.

An einem Guesthouse angekommen tauschen Florian und ich zuerst einmal das unsIMG_7683 zugewiesene Zimmer aufgrund eines riesigen Loches im Badezimmerbodens, das wohl dezent den Abfluss kennzeichnen sollte. Unser neues Zimmer sieht eigentlich genauso aus, wie das alte, befindet sich allerdings im ersten Stock und das Loch ist auch nur noch halb so groß, Auch gibt es hier glücklicherweise keinen Rattenkot mehr im Badezimmer. Dafür haben wir jetzt ein handbreites Loch in der Badzimmertür, durch die ich Florians Füße sehen kann, wenn dieser sich im Bad aufhält. Wundervoll. Das Zimmer von Lukas und Elias hat immerhin kein Loch, doch die beiden beschweren sich über die Feuchtigkeit im Raum, und wenn Elias sich beschwert, dann muss tatsächlich etwas im Argen sein. Naja, wir wollen ja nicht hier einziehen, sondern lediglich zwei Nächte verbringen und auf diese Weise hart werden.

IMG_7697Geschafft von der Fahrt und dem Reiseagenturmitarbeiter, der uns seit zwanzig Minuten versucht eine Tour für das doppelte des eigentlichen Preises anzudrehen, suchen wir erst einmal Schutz in einem nahegelegenen Restaurant. Essen gut alles gut! So mein Motto, selbst der schlimmste Tag kann durch ein gutes Mahl wieder ausgeglichen werden. Also warte ich gespannt auf meinen Reis mit Gemüse und Rind. Der Teller kommt, ich denke: „Ach, der kann ja nicht für mich sein!“ Und bekomme den Teller vor die Nase gestellt. Das Gemüse entpuppt sich als Zwiebel, das bisschen Rindfleisch muss man unter dem Berg von Reis suchen und ist zudem noch halb roh. Den anderen ergeht es nicht anders. Der Hunger treibt es schließlich rein (zumindest den Reis).

Über das Wifi Netzwerk dieses Hostels könnte ich auch Romane schreiben, doch ichIMG_7767 beschränke mich auf das wesentliche. Es gibt das Netz „Dok Khoun Guesthouse“, dieses ist eine schlechte Wahl, weil es nicht funktioniert genauso wie „Dok Khoun Hotel 03“. „Dok Khoun Hotel 04“ funktioniert am ersten Tag noch vor unserem Zimmer und genau ein Schritt in unser Zimmer rein. Am zweiten Tag nur noch vor der Badezimmertür in einmetersechzig Höhe und sporadisch. Aber zum Glück gibt es noch Wifi „Dok Khoun Hotel 05“, dieses wiederum funktioniert immer, doch leider nur, wenn man sich vorne an der  Straße aufhält. Ein hoch auf die laotische Technik.

IMG_7672Nach einer mehr oder weniger entspannten Nacht steigen wir am nächsten Morgen zusammen mit einer Dänin in einen Minibus, um unsere Tour zum Bombvillage anzugehen. Das Dorf in dem man noch Bomben aus dem Krieg der Amerikaner besichtigen kann, stellt sich als weniger Interessant als angenommen heraus. Die alten Bomben, die nun als Pfeiler von Hütten oder Blumenkästen genutzt werden, hatten wir auch schon zuvor in unserem Hostel gesehen. ABER es gibt etwas anderes, das unsere ganze Aufmerksamkeit erregt. Viele süße Tier und Menschenbabys. Florian ist ganz außer sich, als vor ihm eine Entenfamilie mit sechs kleinen Entchen vorbeiläuft. Seine Kamera läuft auf Hochtouren. Hier Schweinebabys, dort Hundewelpen, die an ihrer Mutter saugen, und gleich hinter der nächsten Ecke Küken und ein Äffchen. Seufz. Ein Paradies für den begeistertenIMG_7680 Naturfotografen. Oder so. Im Anschluss stiefeln wir einen Hang hinab, um erneut zu Wasserfällen zu gelangen. Stiefeln ist eigentlich der falsche Ausdruck, ich flipflopste viel mehr und rutsche dabei sowohl auf der nassen Unterseite meiner Flipflops als auch auf der nassen Oberseite. Auf dem Rückweg bringen wir Dänen alle möglichen deutschen Schimpfworte bei und wundern uns über unseren Minivan, bei dem scheinbar die Bremse nicht funktioniert. Beruhigend.

IMAG0260Dann, zurück in der staubigen Mittagshitze, gehen wir erst einmal essen. Haha, nein nicht dasselbe Restaurant wie am Tage zu vor. Diesmal sollen wir Glück haben und ich zahle für Reis mit Gemüse und einer Nudelsuppe nur zweieurofünfzig. Fantastisch günstig und gut! Nachmittags gibt es dann noch einmal Kultur, weshalb wir überhaupt in dieses gottverlassene Dörfchen gekommen sind. Die Jar Fields von Phonsavanh. Auf mehreren der Stadt vorgelagerten Feldern stehen Jahrtausendalte aus Stein gemeißelte Krüge herum, von denen man nicht weiß, wie sie dort hingekommen sind. Wahrscheinlich waren sie einst Urnen. Den Abend verbringen wir zwischen denIMG_7700 Steinkrügen auf den spektakulären Sonnenuntergang wartend. Um uns die Langeweile zu vertreiben beginnen wir auf Grashalmen zu pfeifen, dabei entstehen tolle Fotos. Als wir schließlich zurückkehren, verlangt der Tuktuk Fahrer von jedem „fifty-thousand“ (circa fünf Euro), aber wir hatten bloß „fifteen-thousand“ ausgemacht, so einigen wir uns schließlich auf dreißig, immernoch zu viel! Sausack!

IMG_7711Jetzt, eine halbe Nacht später, sitzen wir mal wieder im Reisebus, oder etwas in der Art. Um sechsuhrdreißig soll unser Bus fahren. Wir fahren natürlich erst gegen acht Uhr. Diesmal haben wir keinen Touristen Bus gemietet, sondern einen, in dem nur Einheimische mitfahren. Dann kommt der Minibus, ein ziemlich abgewracktes Teil, und wir steigen ein. Die Sitze sind ziemlich durchgesessen und wenn wir bergab fahren rutsche ich immer aus meinem Sitz. Fernab der normalen Laoten haben wir auch besonders erwähnenswerte Mitfahrer, wie einen alten wirklich sehr grimmig dreinblickenden Mann in Militäranzug mit einer riesigen Gucci-Brille, die das halbe Gesicht verdeckt, und ein Pärchen, dass in der letzten Reihe sitzt und die ganze Zeit schreit. Zwischendurch hört man immer wieder ein Jaulen, worauf hin sich alle umblicken. Ich dachte es sei ein kleiner Hund, Elias eine EnteIMG_7789 und Lukas ein Kind. Es bleibt ein Rätsel. Irgendwann steigen sie dann schließlich aus, keine Spur von Hund, Ente oder Kind aber immerhin nehmen sie die Reissäcke mit, die den ganzen Gang verpserren. Nun sind es sicherlich noch vier Stunden Fahrt, der Wagen hält öfter mal an, um zu kontrollieren, welches Bestandteil des Busses ein sonderbares Geräusch etwa ein Schleifen von sich gibt und in einem Abstand von zwei Stunden kontrolliert der Fahrkartenjunge ob wir denn auch immernoch nach Thakek führen. Es bleibt spannend!

Jetzt am Morgen nach der Fahrt mein Resümee, wir haben mittlerer weile in ein fünf Sterne Hotel in Thakek eingecheckt. Die fünf Sterne lassen zweifeln aber immerhin gibt es Zahnbürsten for free! Es ist sieben Uhr, die anderen schlafen noch, und ich trinke meinen Morgenkaffee und höre dabei italienische Widerstandsmusik! Herrlich… nunja, zurück zur Busfahrt:

IMAG0271Nach einigen Stunden halten wir an einem Restaurant und können endlich das lang ersehnte Frühstück einnehmen. Es gibt tadaaaaa… Reis mit Fleischpfanne. Und das schon morgens. Alternativ Nudelsuppe, dann doch lieber den Reis. Vielleicht hätten wir doch besser die Suppe genommen, kommt es mir in den Sinn als Elias ein Stück Fleisch mit Schweineborsten dran dem Hund verfüttert. Bei Lukas dasselbe. Wir taufen das Essen Boris Borstensuppe! Mjam! Immerhin der Hund ist glücklich. Dann fahren wir fröhlich weiter, das Ziel ist in Sicht, gegen vierzehn Uhr sollen wir in Thakek ankommen. Plötzlich biegt der Bus in eine Nebenstraße ab, mir schwant nichts Gutes. Nun beginnt der aufregende Teil unseres Abenteuers, ja diese Busfahrt sollte tatsächlich noch zum Abenteuer werden. Vor uns ein Hang mit achtzehn Prozent Steigung, aber selbst das stellt kein Hindernis für unseren Minivan dar, auch wenn wir nur Schrittgeschwindigkeit fahren können. Immer dann, wenn einer von uns Schlaf auf den unbequemen Sitzen finden kann kommt eine Bodenwelle und katapultiert in etwa Lukas, der in der letzten Reihe sitzt einen Meter in die Höhe. Dabei hört man jedesIMG_7764 Mal ein Krachen, als sei gerade die Achse in zwei Teile gebrochen. Aber der Bus lässt sich nicht unterkriegen, auch wenn Lukas‘ Rückbank mehr als ein Gebilde aus Federn und Stangen statt Sitz aussieht. Dies passiert ungefähr im Abstand von zehn Minuten. Dann eine besonders Fiese Stelle, die halbe Straße ist durch einen Erdrutsch zugeschüttet, alle halten den Atem an, werden wir es schaffen? Der Fahrer beißt die Zähne zusammen und fährt langsam aber bestimmt in das riesige Schlammbad. Dann stehen wir mitten im Dschungel auf einer Schotterpiste im Schlamm. Kein vor und kein zurück. Das Auto hat sich IMG_7705festgefahren. Schluck. Die Laoten schauen besorgt aus dem Fenster links und rechts türmt sich der rote Schlamm. Unser Busfahrer – die Ruhe in Person. Immer wieder versucht er anzufahren, zurückzufahren. Dann versammeln sich alle Mitfahrer im hinteren Teil – es ist Zentimeterarbeit. Ein Zentimeter – zwei – drei, dann rollen wir und fahren schließlich, ich will klatschen, aber das macht man nicht! Stattdessen kommt der alte Militär Opa zurück zu seinem Platz zieht seine Militär Kappe über grinst über das ganze Gesicht und murmelt etwas wie „ທີ່ນີ້ແມ່ນຍິ່ງໃຫຍ່“, Lukas übersetzt: „Es lebe der Kommunismus!“ In unseren Augen klingt das plausibel. Und von nun an lachen wir auch über das Maschinengewehr, was unter dem Sitz unseres Busfahrers liegt, man kann ja nie wissen, wann die nächste Rebellengruppe angreift! Nach elf Stunden kommen wir schließlich Staubüberzogen, grimmig dreinblickend in Thakek an. Wir steigen aus dem Bus nicht wie Touristen, nein – wie Rebellen! Wir sind hart!

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