Laos Tage 17 – 20 make it happy

Mein Magen knurrt, die Straße, nein die Schlaglochpiste mit einigen ebenen Verirrungen, quält unseren Bus und der Fahrkartenkontrolleur nervt, indem er uns ständig irgendwelche Touren verkaufen oder Geld wechseln will. Der Blick streift aus dem Fenster, links und rechts säumen Schilder der „Cambodian National Rescue Party“ und „Cambodian National People Party“ die Straßen und kleiden selbst die baufälligsten Gebäude ein. Schöner werden sie dadurch nicht. Vor drei Stunden sollten wir bereits anhalten, um etwas zu essen, stattdessen fahren wir immer weiter auf der Straße der ewigen Schlaglöcher. Dann eine gute Neuigkeit, der Kontrolleur will für alle Sandwiches-to-go bestellen, weil wir keine Zeit haben irgendwo anzuhalten. Tolle Idee, nur leider überteuert und komplizierter als gedacht. Welch ein Stress! Dabei hatten wir uns auf den paradiesartigen viertausend Inseln des Mekongs so gut entspannen können! Mehr dazu:

IMG_7944Mittags erreichen wir mit der „Fähre“, die sich als kleiner überladener Kutter herausstellt, die winzige Insel Don Dhet. Wir mieten uns in kleinen Holzbungalows mit Mekongblick für unglaubliche eineurofünfzig und eigener Terrasse ein. Erste Impressionen: Sonnenuntergang auf dem Mekong, dafür braunes Wasser aus der Dusche! Wir tippen auf Mekongwasser – nur ein weiterer Punkt auf unserer Liste,um hart zu werden. Dann beginnt es zu regnen, wir suchen Schutz in einem kleinen Restaurant und bestellen etwas zu essen, etwas ganz unlaotisches: Fritten und Beef. Nach drei Wochen Reis mit Reis und Gemüse, darf man das auch mal. Die Pommes stellen sich als fad und laff heraus, das Rindfleisch hart und zäh. Satt werde ich nicht. Was lernen wir daraus? Andere Länder andere Gerichte, wer IMAG0277sich nicht dran hält muss leiden. Nundenn, wir überleben auch dies! Der Regen, den man inzwischen eher als einen Taifun bezeichnen sollte, ergießt sich über der kleinen Wellblechhütte und der Sturm fegt uns die Gischt in die ach so zarten Gesichter. Beeindruckendes Naturereignis mit Risikofaktor. Schließlich regnet es ein und wir sollen die Sonne an diesem Tag nicht mehr sehen. Aber das ist nicht schlimm, schließlich befinden wir uns im Backpacker Paradies (Tubing, Alkohol, Weed und günstiges Essen) und die gebratenen Hähnchen fliegen uns schon alsbald in die vor Staunen offen stehenden Münder. Auf dieser Insel kann man gegen geringen Aufpreis jedes Mahl zu einem Festmahl werden lassen. Die einheimischen nennen es „make something happy“. So gibt es an jeder Ecke happy cakes, happy drinks und happy bags. Wovon wir selbstredend die IMAG0280Finger lassen. Folgeerscheinungen sind beispielsweise breite Engländer, die mit einem seelischen Lächeln über die Insel gleiten und dabei ins leere starrend Ukulelen quälen und töne erzeugen, von deren Existenz selbst ich als Musiker nie gewusst habe. An dieser Stelle muss ich doch noch auf eine Sache hinweisen, die mir mehr und mehr bewusst zu werden beginnt. Auch wenn wir uns gerne als Backpacker sehen, sollten wir doch vielleicht besser von Individualtrackern sprechen, denn die meisten selbsterschimpften Backpacker sind in Wirklichkeit Biertrinkende, feiernde Partydeutsche und Engländer. All diejenigen, die früher ihren Urlaub auf Mallorca machten, machen ihn heute in Südostasien. Fünf handfeste Regeln, woran man diesen Schlag von Menschen erkennt, um ihm frühzeitig aus dem Wege gehen zu können. (Florian ist ein großer Fan)

  1. Backpacker sind Rudeltiere und halten sich selten alleine auf.
  2. Ihren Geruch sollte man selbst gegen den Wind riechen können.
  3. Sie haben stets Bier dabei und spielen Luftgitarre.
  4. An kulturellen Orten kann man sie am besten meiden.
  5. Wo ein Backpacker ist, ist auch ein Lonely Planet (Reiseführer).

Ich bin sowieso der Ansicht, dass man den besten Urlaub nur fern von den in Reiseführern beschriebenen Routen findet!

IMAG0284Am nächsten Morgen, es ist noch beinahe Nacht, trifft meine Prophezeiung ein. Unter unserem auf Stelzen errichteten Haus beginnt sich ein Hahn aufzuplustern und unaufhörlich aus vollem Halse zu krähen. Gut, dass ich Ohropax dabei habe, zu Florians Unglück leider nur ein paar, teilen kommt nicht in Frage. Später am Morgen versuche ich im Restaurant mein Frühstück zu bestellen und treffe auf großes Unverständnis. Mit der Karte in der Hand deute ich immer wieder auf das „Omelette Chesses“ und betone laut und deutlich ich hätte gerne das Omelette C-H-E-S-S-E-S, erst nach einer Weile verstehe ich, IMAG0285dass mit chesse wohl chEEse gemeint ist und stelle mir vor, wie die Kellnerin sich vor den Kopf stößt und mir ein „Sag das doch gleich“ vorhält. Tagsüber erkunden wir die Insel zu Fuß und buchen eine Kanutour für den nächsten Morgen. Um acht Uhr geht es dann auch schon los und wir paddeln mit unseren Ein – bis Zweimannkanus den Mekong hinunter, beobachten Süßwasserdelphine und riesige Wasserfällt mit bis zu einem Kilometer breite, bis wir schließlich glücklich und müde wieder in unseren Bungalows ankommen.

IMG_7978Wieder einen Tag später sitzen wir zum Frühstück, abfahrbereit, im Restaurant am Hafen und warten auf unsere two eggs with bread (ein normales Frühstück), als uns plötzlich ein circa fünfzigjähriger Mann anspricht, der uns schräg gegenüber sitzt. Am Vortag hatte er schon immer wieder zu uns geblickt und ich hatte die Vermutung aufgestellt, dass er vielleicht schwul sei. Es stellt sich heraus, dass der etwas schäbig aussehende englische Fischer Adrian heißt und uns seine Lebensgeschichte erzählen möchte – natürlich nicht ohne Hintergedanken… ich hatte einige Probleme, seinen Dialekt zu verstehen und musste erst einmal Schimpfwörter von Wörtern mit logischem semantischen Inhalt trennen. Es klang in etwa wie: „Hakdkfjh FUCK jejkfeno IMG_7981FUCKING jbebiq3e FUCKED nefifei FUCK ieqhqe FUCKING“ usw usf.. Schließlich verstand ich allerdings doch, was die Essenz seines Fluchens war. Vor vielen Jahren war er auf Sumatra gewesen und hatte aus Glück eine Flut überlebt. Dieses Ereignis hatte ihn so bewegt, dass er sich kurzfristig dazu entschied zu schreiben. Er schrieb zwölf Tage und Nächte durch an deren Ende ein Buch stehen sollte, was zwar kein Verleger in großer Stückzahl produzieren wollte, aber was seiner Genialität nur noch zu weiterem Ruhm verhelfen sollte oder so. Auf jeden Fall hat er es sich seit zehn Jahren zu seiner Aufgabe gemacht sein Buch selber an Backpacker zu verkaufen und er verzeichnet bereits einen Erfolg von sechstausend verkauften Exemplaren! Durch sein Autogramm, solle der Druck schließlich zu einem Unikat nie dagewesenen Ausmaßes werden. Und wenn man schon einmal dabei ist, könne man auch gleich seine Lebensgeschichte verfilmen. Florian und ich kaufen jeweils ein Unikat mit Unterschrift und Grüße für den Spottpreis von drei Euro und hoffen nun nach seinem Tode ein Vermögen scheffeln zu können. Er bedankt sich und wir fahren mit dem Hintergedanken etwas Sinnvolles getan zu haben.

An der Grenze zu Kambodscha müssen wir zwischen dem Schlagbaum der laotischen Seite und dem Schlagbaum der kambodschanischen Seite ungefähr hundert Meter IMG_7980Niemandslandstraße überqueren. Bei dem Gedanken, zwischen zwei schwerbewaffneten Regierungen getauscht zu werden, wird uns ganz mulmig zumute. Seine ganze bedrohliche Stimmung verliert die Situation dann aber schließlich doch, während ich beobachte wie unsere Visa ausgestellt werden. Person eins verwaltet die Kasse und nimmt das Geld an, Person zwei trägt unsere Daten ins Visum ein, Person drei klebt das Visum ein und stempelt und Personen vier und fünf kontrollieren den ganzen Prozess und fügen noch einen Zettel hinzu! Aha! Öhhhh… mit dreistündiger Verspätung fahren wir schließlich nach Phnom Penh unserem nächsten Zwischenstopp.

Jetzt haben wir schon die Hälfte unseres Urlaubs um und freuen uns umso mehr auf die bevorstehenden Abenteuer! Freut euch mit uns auf Robinson-Inseln mir weißem Sandstrand und türkisem Wasser, einen viertägigen Meditationskurs mit den Mönchen im Wat Mahathat in Bangkok und einem sechstägigen Tauchkurs! YEY! Zu gut um wahr zu sein! Bis bald! Bild unten: Elias mit dem kleinen Klaus auf der Schulter!

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